
Das Internet ist längst nicht mehr der Ort für demokratische Utopien, zu dem es in seinen frühen Tagen erklärt wurde. Vielmehr ist es ein aktiver Beschleuniger von Desinformation, Polarisierung und Extremismus. In zwölf Beiträgen betrachtet die vorliegende Ausgabe der „Wissen schafft Demokratie“ die vielschichtigen Facetten dieser Gefährdungslage. Dabei geraten neben klassischen politischen Arenen auch vermeintlich unpolitische Sozialräume wie Gaming-Szenen und religiöse Sondergemeinschaften in den Blick, die bislang oft unter dem Radar von Präventionsakteur*innen blieben.
Die Autor*innen aus Wissenschaft und Praxis analysieren, wie Online-Plattformen und deren Kommunikationsinfrastrukturen für demokratiegefährdende Mobilisierung instrumentalisiert werden, welche Rolle hybride Influencer*innen spielen und wie sich neue rechtsextreme Jugendkulturen zwischen TikTok-Ästhetik und Straßenkrawall formieren. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Einsatz von (generativer) Künstlicher Intelligenz. Diese erzeugt weit über bloße Täuschung hinaus eine strategische Ambivalenz, welche das Vertrauen in die Wahrhaftigkeit von Informationen und Institutionen gleichermaßen erodieren lässt.
Der Band beinhaltet unter anderem Beiträge aus dem toneshift Team. Zu ihnen gehör eine Analyse zur strategischen Wirkung von KI-generierten Bildern in rechtsalternativen Kontexten und von Christian Donner und Lena-Maria Böswald sowie ein Rückblick auf 10 Jahre Forschung zu Desinformation und Demokratiegefährdung von Dr. Franziska Martini und Wyn Brodersen”.
Auch der wissenschaftliche Beirat des Jenaer toneshift-Projekts beteiligt sich an dieser Ausgabe. Prof. Dr. Diana Rieger verfasste gemeinsam mit Mario Haim den Beitrag “Zwischen Brandherd und Feuerlöscher: Künstliche Intelligenz in digitalen Debatten und demokratischen Diskursen”. Auch Beiratsmitglied Pablo Jost erscheint gemeinsam mit den Co-Autor*innen Hannah Fecher, Tobias Scherer und Simon Kruschinski mit ihrem Beitrag “Innovation versus Kontrolle: Wie Bürger*innen über den Einsatz generativer künstlicher Intelligenz in der politischen Kommunikation denken” in der aktuellen Ausgabe.
Jenseits von bloßem Alarmismus liefert der Band essenzielle Impulse, um dem digitalen Strukturwandel demokratisch, resilient und handlungsfähig zu begegnen.
Open Access Zugang zur Ausgabe: https://www.idz-jena.de/fileadmin/user_upload/PDFs_WsD18/IDZ_WsD-18_WEB.pdf
